In einer festlich gestalteten Entlassfeier unter dem Motto „Ability 2026 – Zu allem fähig, zu nichts zu gebrauchen“ verabschiedete die Maximilian-Kolbe-Gesamtschule (MKG) am Freitagnachmittag ihre diesjährige Abiturientia. In der voll besetzten Bürgerscheune kamen Abiturientinnen und Abiturienten, Eltern, Lehrkräfte sowie zahlreiche Gäste zusammen, um gemeinsam auf die Schulzeit zurückzublicken und den erfolgreichen Abschluss zu feiern.
In diesem Schuljahr erreichten 40 Schülerinnen und Schüler die allgemeine Hochschulreife, drei schlossen mit dem Fachabitur ab.
Zum Auftakt stimmte die MKG-Band unter der Leitung von Benedikt Ricken und Mechthild Runde mit dem Stück „Ode an die Freude“ von Ludwig van Beethoven die Gäste auf den besonderen Festakt ein. Das Moderatorenteam Hannes Laukötter und Emil Schneiders führte in heiterer, unbeschwerter Weise durch das Programm. Saerbecks Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg nahm in seiner Ansprache Bezug auf die aktuelle Bedeutung des Abiturs. „Was bringt das Abitur eigentlich?“, regte er das Publikum zum Nachdenken an.
Neben den grundlegenden Fähigkeiten der Selbstreflexion und Selbstkritik sei es wichtig, das erworbene Wissen auch anzuwenden. „Lernen endet nicht nach dem Abi“, betonte er. Persönlichkeitsentwicklung und soziale Kompetenz seien Gradmesser für gesellschaftliche Teilhabe. „Wage es, selbst zu denken“, forderte er die Abiturienten in Anlehnung an den römischen Dichter Horaz auf.
Künstliche Intelligenz sorge allenthalben für Begeisterung, selbst zu denken schade jedoch keineswegs. Dies sei zudem eine wesentliche Voraussetzung, um antidemokratische Kräfte zu „konterkarieren“. Zuletzt gratulierte Lehberg mit dem Aufruf: „Gehen Sie hinaus, lernen Sie die Welt kennen – und kehren Sie gern eines Tages nach Saerbeck zurück.“
Nach dem musikalischen Beitrag „Don’t Stop Me Now“ von Queen trat Schulleiter Maarten Willenbrink ans Mikrofon. „Ihr habt den höchsten deutschen Schulabschluss erreicht“, begann er seine Ansprache. Mit großer Sozialkompetenz und Verständnis für komplexe Zusammenhänge hätte die Jahrgangsstufe ihr Können in verschiedenen Anwendungsgebieten unter Beweis gestellt: in der Tierhaltung, im MINT-Labor, bei „Friday for Future“, beim Skifahren, bei Theater und Musik und sogar bei der hervorragenden Bewirtung der Lehrkräfte.
Er erinnere jedoch an Sokrates, der weise erkannte: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Die Abiturienten hätten „eindrucksvolle fachliche und soziale Fähigkeiten bewiesen“. Nun komme es darauf an, das erworbene Wissen anzuwenden. Sobald man in einer Angelegenheit Meister sei, solle man in einer anderen Sache bestenfalls wieder Schüler sein.
„Im Wildwasserfluss der heutigen Welt“ gebe es schnelle Veränderungen. Und Jobs, die heute noch niemand kenne. Willenbrink forderte dazu auf, sein kostbares Potenzial auch auszuschöpfen und sich zu fragen: „Was bin ich bereit zu tun?“ und überdies: „Nur wer über sich selbst lachen kann, wird viel schaffen.“ Im Zuge seiner abschließenden Danksagungen und Gratulationen überraschte Willenbrink noch mit einer erfreulichen Nachricht: Der diesjährige Abi-Notendurchschnitt sei mit 2,24 der beste seit 19 Jahren.
Auch Beratungslehrer Jörg Höbing war voll des Lobes für seine Zöglinge. „Ihr habt gelernt, Epochen richtig einzuordnen, beim Skifahren die Lehrer anderer Schulen nicht ,umzufahren‘ und nicht alles auf Rot zu setzen“, hob er eingangs ironisch-schmunzelnd hervor. Das gewählte Abi-Motto finde er einfach nur witzig, er würde gar nicht allzu viel hineininterpretieren wollen. Mit dem Abi in der Tasche sei nun der Wille entscheidend, die eigenen Fähigkeiten wirksam einzusetzen.
„Euer Können muss auf eine bestimmte Haltung stoßen“, betonte Höbing. Aus Talenten müsse gesellschaftliches Engagement erwachsen, aus guten, sensiblen Teamplayern politische Einsatzbereitschaft hervorgehen. „Ihr müsst nicht die Welt retten“, ergänzte Höbing, „aber schaut hin, wo andere wegsehen. Gestaltet Gesellschaft, statt sie nur zu kommentieren.“
Zwischen den Redebeiträgen sorgte die MKG-Band mit „I’m Still Standing“ und „Tage wie diese“ für Unterhaltung. Auch der vokalpraktische Kurs unter der Leitung von Ilga Bülte begeisterte mit den Stücken „A Million Dreams“ und „Forever Young“ das Publikum.
Weitere Glückwünsche und Denkanstöße erfolgten in dem folgenden Redebeitrag aus der Elternschaft, den Samira Knapheide hielt. Stimmungsvoll unterstrich sie ihre Gedanken durch den von Abiturientin Lotta dargebotenen Hit „We Are the World“ von Michael Jackson und Lionel Richie. Jetzt sei die Zeit des Aufbruchs gekommen, schilderte Knapheide. Gemeinsam könne man viel mehr erreichen als allein.
Die Jahrgangsstufe habe Zusammenhalt, Durchhaltevermögen und gegenseitige Unterstützung bewiesen. Besonders hervorzuheben sei deren Einsatz sowohl im schulischen als auch im sozialen Bereich: bei Projekten, Veranstaltungen und außerunterrichtlichem Engagement. „Seid klug, aber bleibt freundlich“, lautete ihr Credo. Die Eltern seien auch in Zukunft immer für ihre Kinder da, auch wenn „das Leben einmal schwer wird“.
Die Welt brauche Menschen mit Herz, die sich nicht von Krisen entmutigen ließen. Mit den ermutigenden Worten „Macht diese Welt ein kleines bisschen besser!“, schloss die Elternvertreterin ihre bewegende Rede. Die beiden Schülervertreter Silja Stork und Lukas Gilke begannen ihren aufmunternden Beitrag humorvoll mit einigen Höhepunkten aus der Schulzeit. So hätten die Fahrten nach Leipzig, Polen und andere Gemeinschaftserlebnisse die Stufe eng zusammengeschweißt.
„Inzwischen sind wir eine große, bunte Familie“, fasste Stork lächelnd zusammen. Es seien drei „unfassbar schöne gemeinsame Jahre“ gewesen, ergänzte ihr Co-Redner. Am liebsten würde er sie noch einmal erleben. Beim Blick in die Zukunft kam indes auch eine Portion Ernsthaftigkeit auf: „Wir können nur zusehen, was in der Welt passiert“, stellte der Schülersprecher ein wenig resigniert fest.
Angesichts der vielen negativen Schlagzeilen machten die eigenen Perspektiven häufig wenig Hoffnung. Dennoch dürfe das Positive nicht vergessen werden: Die vergangenen 13 Jahre hätten schließlich gezeigt, dass man sehr stolz sein könne auf das, was geschafft wurde. „Wir stehen zu unseren Stärken und Schwächen“, betonte Gilke. Und mit einem guten Gefühl des Neuanfangs: „Wir sind gut genug. Wir sind Abi 2026 – feiert doch mal alle ab!“
Der Höhepunkt der Entlassfeier war die feierliche Übergabe der Abiturzeugnisse. Unter großem Applaus nahmen die Absolventinnen und Absolventen ihre Zeugnisse aus den Händen von Schulleiter Maarten Willenbrink, Oberstufenleiterin Anja Venjakob und Beratungslehrer Jörg Höbing entgegen. Viele emotionale Momente und überglückliche Gesichter begleiteten diesen besonderen Augenblick, der den offiziellen Abschluss ihrer Schulzeit markierte.
Text und Foto: Regina Sommer / WN

