Der Applaus war den jungen Leuten auf, hinter und vor der Bühne in der Aula der Alten Hauptschule sicher angesichts von Eltern, Verwandten und Freunden im Publikum der Abendvorstellung. Er war aber auch gerechtfertigt, genauso wie vormittags der von den Jahrgangskollegen. Dabei schnitt die titelgebende Guillotine Scheibchen für Scheibchen in die Themen- und Gedankenwelten von Teenagern. Zumindest durfte man das als Erwachsener vermuten.
Die Szenen und Darstellungsformen wechselten flott und hielten die Inszenierung mit den wenigen räumlichen und technischen Möglichkeiten, die die alte Aula bietet, über die ganze Zeit kurzweilig.
Da gab es den kettenrauchenden Hänsel, der sich wegen der Tabaksteuer keine Zigaretten mehr kaufen kann, aber mit einer der letzten noch das Knusperhäuschen in einen auf den Vorhang projizierten Brand steckt. Rotkäppchen haut bei den Eltern ab, weil die die Kosmetika nicht mehr bezahlen können. Schöne Familienstreits um Geld oder, wie Hänsel meint: „immer nur Stress“. Dann schicken rappende Zwerge ihr Schneewittchen auf den Strich, weil der Monarch die Gehälter kürzt und auch bei ihnen das Geld knapp ist. Gesungene Erklärung der Zwerge für das naive Schneewittchen: „Stell dir vor, die Biene zahlt Geld, damit die Blume still hält...“
Schließlich erlöst die Prinzessin den Froschkönig mit einem Kuss, will aber prompt gar nichts mehr von ihm wissen. Und den Monarchen halten die Mädels im Märchen für den Sugar Daddy mit viel Geld. „Männer sind Schweine“ von den „Ärzten“ kommt aus den Lautsprechern, Hänsel rappt über Sucht, Satanisten auf dem Friedhof, Rapunzel hat auch ihre Probleme: Am Ende freunden sich die Märchenfiguren, die der König in Geldnot stürzt, in einem wilden Cross-over an und fassen den Plan, die Prinzessin zu entführen, um Lösegeld zu erpressen.
Eltern, die von ihren Kindern enttäuscht sind, Geldsorgen, Sucht, überzogene Vorstellungen und Selbstwahrnehmung, Umgang mit Asylbewerbern, Schönheits- und Konsumwahn: Alle diese Themen verarbeitete die DuG-Klasse heiter und spannend, abwechslungsreich und überzeugend dargestellt, mit dem Tiefgang, der zu einer Komödie passt und dort besonders authentisch, wo die Schülerinnen und Schüler in der Rolle als Jugendliche auftraten.
Das nächste Theater an der MKG bietet der Literaturkurs der Jahrgangsstufe zwölf. Er spielt am 11. und 12. Mai, jeweils ab 19.30 Uhr im kleinen Forum „Das Floß der Medusa“ nach einem Drama von Georg Kaiser. Die Aufführungen sind für alle offen.
Text: Alfred Riese
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