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Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Schulgarten der MKG / Eröffnung der Ausstellung „Gegen das Vergessen“

Inmitten großformatiger Portraits von Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung im Schulgarten der MKG mahnte bei der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag ein Trio aus der Schulgemeinschaft, „dass Frieden nur dann gelingen kann, wenn wir hinschauen, zuhören und handeln – jeder an seinem Platz, im Kleinen wie im Großen“.

„Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg“, auch von Hass und Gewalt, so beginnen die Gedenkworte des Bundespräsidenten. Daraus entwickelten die Oberstufenschülerinnen Carla June Komischke und Mila Goebel Pereira mit dem Schulleiter Maarten Willenbrink die Verbindung von Vergangenheit und Erinnern, dem Wahrnehmen aktueller Zustände und Entwicklungen und der Aufforderung zum Handeln für die Zukunft.

Mit der weltweit beachteten Ausstellung „Gegen das Vergessen“ will der Mannheimer Fotograf und Filmemacher Luigi Toscano ein Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Diskriminierung setzen und zur Auseinandersetzung mit den Themen Demokratie, Vielfalt und gesellschaftliche Verantwortung anregen. Zu den Fotos treten Lebensläufe der Abgebildeten und ein pädagogisches Begleitprogramm. Die Maximilian-Kolbe-Gesamtschule ist nach dem Franziskanerpater Maximilian Kolbe benannt, einem Opfer des nationalsozialistischen Regimes. Kolbe wurde wegen seiner Hilfe für Jüdinnen und Juden 1941 verhaftet und ging im Konzentrationslager Auschwitz freiwillig in den Tod, um einen Familienvater zu retten.

Jedes der Gesichter in der Ausstellung, „die von unaussprechlichem Leid erzählen, aber auch von Mut, Hoffnung und Würde“, sei „ein Appell: Hinsehen, Zuhören, Nachdenken“, sagte Carla June Komischke. „Noch immer erleben Menschen Flucht, Vertreibung, Angst. Noch immer gibt es Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung, Kriege in der Welt, auch auf europäischem Boden“, lieferte Mila Goebel Pereira eine Beschreibung des Jetzt. Wieder lauter werdende Feindbilder, antisemitische und rassistische Parolen auf den Straßen und in sozialen Netzwerken, Krieg auch in Europa, fügte Maarten Willenbrink der Bestandsaufnahme hinzu. Der Grund für Erinnern sei nicht Schuld, sondern Verantwortung, befand Mila Goebel Pereira.

Die Gesichter der Ausstellung „begegnen uns im Alltag – auf dem Weg zur Schule, in der Pause, nach der Arbeit“, sagte Mila Goebel Pereira. Damals wie heute stets unter uns, „konfrontieren sie uns mit der Geschichte – und fordern uns auf, Haltung zu zeigen gegen Antisemitismus, gegen Hass, gegen Gleichgültigkeit“, die der Nährboden für Unmenschlichkeit sei. Konkret bedeutet das für ihre Mitschülerin: „Unsere Schule im Kleinen, unsere Kommune, unsere Gesellschaft müssen Orte sein, an denen jeder Mensch geachtet wird, unabhängig von Herkunft, Religion, Sprache oder Meinung – Orte, an denen wir füreinander einstehen.“

Im Kern setzte das MKG-Trio eine mutige, bewusste und verantwortungsvolle Menschlichkeit gegen ignorante Gleichgültigkeit, Hass auf andere und Gewalt.

"Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“ Mit diesem Thomas-Morus-Zitat schloss sich Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg mit Blick auf die Tradition des Volkstrauertags den Gedanken des MKG-Trios an. Sie hätten „vor Augen geführt, wie sehr die Verantwortung für die Zukunft aus der Vergangenheit resultiert“. Deshalb sei die Ausstellung „Gegen das Vergessen“ wichtig und an der MKG am richtigen Platz.

An der Gedenkveranstaltung und dem vorangegangenen Gottesdienst in der St.-Georg-Kirche beteiligten sich Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen und Verbänden und aus der Politik. Die Jugendfeuerwehr erhellte den Platz mit Fackeln. Das Gedenken endete mit der National- und der Europa-Hymne, gespielt vom Kolping-Blasorchester. Den Kranz am Mahnmal am Friedhof legten anschließend Udo Meiners als Leiter der Freiwilligen Feuerwehr, die beiden Stellvertretenden Bürgermeister Florian Bücker und Klaus Rensmann und Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg nieder.

Die Ausstellung „Gegen das Vergessen“ ist im Schulgarten der MKG (Zugang über den kleinen Lehrerparkplatz) bis zum 7. Dezember zu sehen. Für die Öffentlichkeit ist sie während des Saerbecker Adventsmarkts am Samstag, 22. November, sowie am Tag der offenen Tür der Schule am Samstag, 6. Dezember, zugänglich, außerdem an Schultagen außerhalb der großen Pausenzeiten von 8.30–9.30 Uhr, 10.30–11.30 Uhr und von 15.30 bis 16.30 Uhr.

Text und Bilder: Alfred Riese

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