In Sichtweite zur 2023 entstandenen Hütte, haben Marlon, Fiete, Simon und Amir aus Jahrgang 9 die dritte Woche ihrer Betriebspraktika den Themen Zimmerei und Umweltpädagogik gewidmet. „Auch wenn es vielleicht nicht so aussieht: Das ist Schule hier“, stellte MKG-Lehrerin Kirsten Gaß mitten auf der Wiese unter den neugierigen Blicken einiger Rinder hinterm Zaun fest. Es muss aber wohl ein ganz besonderer Unterricht sein, denn als die letzte Pfanne gerade auf dem Dach lag, wollte Fiete ernsthaft wissen: „Können wir noch eine bauen?“
Diese Begeisterung bei den Schülern dürfte zu einem nicht kleinen Teil an den zwei Männern liegen, mit denen sie fünf Tage lang gearbeitet haben. Hermann Lammers, Zimmermann und Waldbauer in Brochterbeck und auch im Naturschutz im Tecklenburger Land unterwegs, und Hans-Jakob Merkens, der als Vater eines ehemaligen MKG-Schülers das Feldscheunen-Projekt zusammen mit Lammers gestartet hat.
Fiete erzählt, was die vier gemacht haben in der Woche. Am Anfang gab es einen Spaziergang durch den Wald mit allerhand Lehrreichem aus Ökologie und Naturschutz und der Antwort auf die Frage, wo das Holz für die Hütte eigentlich herkommt. Bis Dienstag bauten die Schüler Nistkästen für verschiedene Vogelarten, die sie später in der Hütte montierten. Am Mittwoch wurde es körperlich so richtig anstrengend. Fundamentsteine schleppen, Balken und Bretter verbauen, Pfannen aufs Dach befördern. „Das Holz war vorgesägt, für uns war das ein großes Puzzle“, beschreibt Marlon die Arbeit.
Simon war vorher zwei Wochen zum Praktikum in einem Büro, erzählt er. Danach das Handwerkliche mit der Scheune, das findet er „so gut, wie ich gehofft habe“. Marlon kann sich besonders für die Dacharbeiten mit Blick auf die ältere Hütte begeistern. Alle sind sich einig: Ohne Teamwork geht nichts bei einem solchen Vorhaben. Ein Unterstand für Weidetiere, Nistgelegenheiten für Vögel, Fledermäuse, sogar für Insekten: „Schon crazy, was wir da geschafft haben“, finden Fiete und Marlon.
„Tolles Projekt mit schönem Ergebnis", heißt das im Erwachsenen-Sprech von MKG-Schulleiter Maarten Willenbrink, der am Freitag auf der Wiese steht. Er dankt neben Lammers und Merkens den betreuenden Lehrern Lothar Neumann und Dirk van Aaken und der Naturschutzstiftung Kreis Steinfurt für die stetige Unterstützung des Projekts.
Auf den Nutzen für das Naturschutzgebiet Emsdettener Venn weist Cornelia Pantow hin. Sie arbeitet für die Biologische Station Kreis Steinfurt und betreut das Gebiet. Um die wertvolle Wiesenlandschaft zu erhalten, sei man auf Beweidung angewiesen. Da helfe die traditionelle Hütte als schattenspendender Unterstand für Rinder und mache deren Weidehaltung für Landwirte attraktiver. Die zusätzlichen Nistgelegenheiten stärkten unter anderem die Position des Kreises Steinfurt als „Hotspot für den Steinkauz“ und nützten der Artenvielfalt.
Text und Bilder: Alfred Riese



